Das Schüren von Zukunftsängsten durch die Plattform „SOS Medizin“ trägt nur zur Verunsicherung der Bevölkerung aber nicht zu einer sinnvollen Weiterentwicklung des guten österreichischen Gesundheitssystems bei.

Der österreichische Gesundheitssektor befindet seit geraumer Zeit in einer unruhigen Phase. In unruhigen Zeiten tendieren Interessensvertreter einzelner Berufsgruppen dazu, reine Standespolitik zu betreiben – ganz besonders, wenn noch dazu (Ärzte-)Kammerwahlen vor der Türe stehen. Die Plattform „SOS Medizin“ ist ein solches Phänomen. Ganz nach dem Motto „Wer lauter schreit kriegt eher recht“ werden von der Ärztekammer für Niederösterreich im Vorfeld der Ärztekammerwahl Ängste in der Bevölkerung geschürt und vermeintlich einfache Forderungen als Lösung für komplexe Fragestellungen präsentiert.

In Expertenkreisen lösten die Forderungen für ein mögliches Volksbegehren von Anfang an großes Unverständnis aus. Einerseits, weil einige der Forderungen ohnehin bereits gesetzlich geregelt sind. Andererseits, weil die vorgeschlagene Forderung nach einer direkten Medikamentenabgabe durch die Ärztinnen und Ärzte eine spürbare Verschlechterung des guten heimischen Gesundheitssystems bedeuten würde.

Minimalisierung des Medikamentenangebotes Rückschritt für Gesundheitsversorgung

„Die vorgeschlagene Minimalisierung des vielfältigen Medikamentenangebotes auf die gängigsten 20 Präparate würde einen massiven Rückschritt in der Gesundheitsversorgung Österreichs bedeuten. Viel zu oft müssten die Ärztinnen und Ärzte mangels Alternativen einen schlechten Kompromiss bei der Medikamentenauswahl eingehen, viel zu wenig könnte die notwendige individuelle Behandlung jeder Erkrankung, jeder Patientin und jedes Patienten berücksichtigt werden. Dabei sprechen wir noch nicht einmal von der Verletzung des bewährten 4-Augen Prinzips, das zwar von jedem ordentlichen Kaufmann verlangt wird, im Gesundheitsbereich aber offensichtlich abgeschafft werden soll. Mit dem in Österreich seit Jahrhunderten gelebten 4 Augen-Prinzip der Medikamentenverschreibung durch den Arzt und der anschließenden Beratung und Medikamentenausgabe durch den Apotheker wird sichergestellt, dass die Patienten das richtige Medikament, in der richtigen Dosis und mit der richtigen Anleitung zur Anwendung des Medikamentes bekommen“, erklärt Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Apothekerverbandes Österreich.

Nachdenkpause für ein Miteinander und gegen Verunsicherung der Bevölkerung

Der Apothekerverband empfiehlt der Ärztekammer Niederösterreich und ihrem Präsidenten daher eine Nachdenkpause in dreifacher Hinsicht. Erstens sollten die Forderungen nach ihrer Sinnhaftigkeit geprüft werden, denn niemand kann ein Volksbegehren wollen, das eine Verschlechterung das Status quo in sich trägt. Zweitens kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Forderungen der Ärztekammer Niederösterreich auch innerhalb der Ärzteschaft nicht unumstritten sind. Nur so kann der Alleingang der NÖ Ärztekammer und die mehr als zögerliche Unterstützung der Plattform SOS Medizin im eigenen Berufsstand erklärt werden. Und drittens ergeht der dringende Appell an die Ärztekammer Niederösterreich, nicht aus standespolitischen und wahlkampftechnischen Gründen die Bevölkerung zu verunsichern.

Die Apotheken sind seit je her ein verlässlicher Partner im guten österreichischen Gesundheitssystem. „Wir waren und sind der Überzeugung, dass eine positive Weiterentwicklung dieses Systems nur durch ein Miteinander aller Beteiligten und nicht durch ein standespolitisches Gegeneinander erreicht werden kann. Wir sind daher guter Dinge, dass sich nach dem Ärztekammerwahlkampf die Gemüter wieder beruhigen werden und stehen für konstruktive Gespräche zur Sicherung und Weiterentwicklung des guten österreichischen Gesundheitssystems jederzeit zur Verfügung“, so Rehak abschließend.

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