Wien, 23. August 2019. Mit Verwunderung reagiert der österreichische Apothekerverband auf den „Hauruck-Vorstoß“ der steirischen Ärztekammer rund um Notabgabestellen für Arzneimittel bei praktischen Ärzten.

„Das österreichische Gesundheitssystem kann nur funktionieren, wenn Ärzte und Apotheker gemeinsam und nicht gegeneinander die Gesundheitsversorgung sicherstellen“, erklärt Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes. „Für uns ist klar – die Bevölkerung braucht Arzt und Apotheker und nicht Arzt oder Apotheker. Der Vorstoß der steirischen Ärztekammer, mehr Notabgabestellen für Arzneimittel in Arztpraxen einzurichten, ist weder sinnvoll noch zielführend und geht an einer guten Arzneimittelversorgung für Österreich komplett vorbei“, betont Rehak.

Es gibt viele gute Gründe, warum es eine bedarfsgerechte und flächendeckende gute Medikamentenversorgung in Österreich mit öffentlichen Apotheken und entsprechend ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern gibt.

+ Die Trennung von Arzt und Apotheke besteht seit 778 Jahren. Der Grund: Der Arzt soll sich auf die Diagnose und Therapie konzentrieren und die Apotheke sorgt für die Bereitstellung der Medikamente und die wichtige Beratung bei arzneimittelbezogenen Fragen. Dieses Vier-Augen-Prinzip hat sich über viele Jahre im Sinne der Patienten bewährt.

+ Im europäischen Vergleich stellt Österreich mit den ärztlichen Notabgabestellen für Arzneimittel eine Ausnahme dar. In den meisten europäischen Ländern dürfen Medikamente nur über Apotheken verkauft werden. Dass Ärzte im Rahmen ihrer Tätigkeit Patienten überhaupt etwas verkaufen dürfen, muss man hinterfragen. In Deutschland ist das verboten.

+ Jede Apotheke hat in Österreich durchschnittlich 48 Stunden pro Woche geöffnet und keine Urlaubs- und Betriebssperren. Arztpraxen kommen mit ihrer Ordination nicht auf die Hälfte dieser Zeiten.

+ Außerhalb der regulären Öffnungszeiten hat immer eine Apotheke in der Nähe Bereitschaftsdienst und versorgt die Bevölkerung auch in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen mit Arzneimitteln. In Österreich leisten täglich 300 Apotheken Bereitschaftsdienst. In dringenden Fällen werden Medikamente direkt bis ans Krankenbett zugestellt.

Apothekerverbands-Präsident Rehak stellt klar: „Die zusätzlichen Genehmigungen von ärztlichen Notabgabestellen für Arzneimittel dienen primär dazu, Lücken auf der Landkarte zu schließen, dort wo es keine Apotheke gibt. Denn wenn der Doktor nicht da ist – z.B. wegen Freizeit, Urlaub oder Fortbildung – ist nicht nur die Arzt-Praxis, sondern auch seine Notabgabestelle für Arzneimittel geschlossen. Damit gibt es weder eine ärztliche Versorgung noch eine mit Arzneimitteln. Und wenn es stimmt, dass praktischen Ärzte im ländlichen Raum aus wirtschaftlichen Gründen Arzneimittel verkaufen müssen, dann sollten die Sozialversicherung und die Ärztekammer dafür sorgen, dass ihre Vertragsärzte von der ärztlichen Leistung leben können.“ Ärzte sollen im Rahmen ihres Vertrauensverhältnisses zu den Patienten diesen nichts verkaufen dürfen.

„Abschließend halten wir fest, dass ärztliche Notabgabestellen für Arzneimittel nur als Notapparat zu sehen sind und eine qualitativ hochstehende Versorgung durch eine öffentliche Apotheke nie ersetzen können. Wir Apothekerinnen und Apotheker unterstreichen, dass eine gute Arzneimittelversorgung nur in einer Kooperation von Ärzten und Apothekern auf Augenhöhe funktionieren kann. Die fachliche Notwendigkeit anderer wesentlicher Berufsgruppen im Gesundheitssystem in Frage zu stellen zugunsten offensichtlicher wirtschaftlicher Interessen lehnen wir entschieden ab. Für sachliche Diskussionen stehen wir jederzeit zur Verfügung und vertrauen darauf, dass die Politik keine Hauruck-Anlassgesetzgebung macht, die noch dazu jeglicher Grundlage entbehrt“, so Apothekerverbands-Präsident Jürgen Rehak abschließend.

Rückfragehinweis:
Österreichischer Apothekerverband
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Tel.: 01/40414300